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Stopp den Stau

31. Januar 2019

Verstopfte Straßen, Lärm und Abgase trüben den Spaß am Leben in der Stadt. Intelligente Verkehrsleitsysteme bieten einen Ausweg. Die EnBW entwickelt sie gemeinsam mit den Kommunen.

Fünf Monate Vollsperrung! Als das Regierungspräsidium die Stadt Ettlingen über die geplante Baustelle informierte, handelte die Verwaltung sofort. Ihre Sorge war, dass sich von Juni bis November Tausende Pendler durch das Zentrum quälen, Straßen blockieren und die Luft verschmutzen. Die Stadt mit 40.000 Einwohnern ist nicht für ein so hohes Verkehrsaufkommen ausgelegt.

Zusammen mit der EnBW entwickelte die Rathausspitze deshalb ein Verkehrsleitsystem mit Wärmebildkameras und digitalen Verkehrsschildern, die Autos und Motorräder auf Alternativrouten gleichmäßig in der Stadt verteilen. Heute steht fest, dass es ein guter Plan war. Für die Bürger von Ettlingen brachte das System eine spürbare Entlastung.

Die EnBW unterstützt Kommunen mit einem breiten Angebot an intelligenter Infrastruktur. „Verkehrsleitsysteme spielen dabei eine wichtige Rolle“, sagt Dirk Lehmann, Produktmanager der EnBW- Marke SMIGHT. Ettlingen ist nicht die einzige Kommune, die darauf setzt. Auch Teningen, Angelbachtal, Tübingen, Winterbach, Schönau, Dielheim und Riegel nutzen ähnliche Systeme.

Sensor erfasst Verkehrsfluss

In Ettlingen setzte die EnBW an einer wichtigen Hauptverkehrsstraße jeweils zwei Kameras in jeder Fahrtrichtung ein. Ihre Sensoren erfassen Wärmestrahlen von Motor, Scheinwerfer oder Reifen. Die Geräte lassen sich an Laternenmasten befestigen und dort mit Strom versorgen. Ein Akkupuffer stellt sicher, dass Energie auch vorhanden ist, wenn die Straßenlampen ausgeschaltet sind. Die Sensoren registrieren den Verkehrsfluss. Personen werden nicht erfasst.

Jeder Verkehrssensor bestimmt die Art der Fahrzeuge und analysiert die Verkehrsströme auf mehreren Fahrstreifen. Neben jedem Sensor ist ein Router angebracht, der die Verkehrsdaten in Echtzeit an einen externen Speicher (Cloud) überträgt. Dort werden die Daten zusammengefasst, um frühzeitig bei einer Verschlechterung der Verkehrssituation die digitalen Schilder anzusteuern. Diese werden in Ettlingen dafür genutzt, den Verkehr, wenn nötig, über eine Umgehungsstraße zu leiten.

Das System kann künftig auch mit Umweltsensoren kombiniert werden, die Abgase wie Feinstaub oder Stickoxid messen. „Werden Grenzwerte überschritten, könnte der Verkehr von den betroffenen Straßenzügen automatisch umgeleitet werden“, sagt Lehmann.

Manche Kommunen beschränken sich darauf, Verkehrsströme nur zu erfassen. Eine Software erstellt aus den Daten detaillierte Tabellen und Grafiken, die zeigen, wie hoch das Verkehrsaufkommen an bestimmten Punkten ist. Dank der Auswertungen erkennen Stadtplaner, wo neue Ampeln oder Zebrastreifen benötigt werden. Sie erhalten außerdem eine wertvolle Argumentationshilfe, wenn sie Landesmittel für den Bau beantragen.

Wo kann man hier parken?

Rund ein Drittel der Staus in Städten entsteht, weil Autos bei der Parkplatzsuche im Kreis fahren. SMIGHT bietet mit seinem Sensorpartner Cleverciti ein System an, das Fahrer direkt zum nächsten freien Parkplatz leitet. Hoch über der Straße installierte Sensoren haben jeweils bis zu 100 Stellplätze im Blick. Autofahrer werden mit Hilfe von digitalen Leuchttafeln, die in der Stadt aufgestellt sind, zu den Bereichen gelotst, wo es noch freien Parkraum gibt. „Die Daten lassen sich auch für Navigationssysteme verwenden“, sagt Günther Picker von cleverciti. Den Autofahrer könnte künftig also auch eine App zum nächsten Parkplatz leiten.

Ein Bodensensor der EnBW hingegen zeigt an, ob ein bestimmter Parkplatz frei ist oder nicht. Das ist etwa an Ladestationen sinnvoll. E-Autofahrer können zwar schon lange über eine App sehen, ob sie frei ist. Manchmal werden die angeschlossenen Plätze aber von Fahrzeugen blockiert, die keinen Strom tanken – und dann als frei angezeigt. Mit Hilfe der Bodensensoren wird der Betreiber auf sie aufmerksam. Ab kommendem Jahr werden sie an 50 Ladestationen in oberschwäbischen Kommunen eingesetzt.